...aloi ganga isch au ed schlecht.

Aloi ganga isch au ed schlecht...

 

Alleine wandern hat auch seine Vorteile. Man kann das Tempo, die Pausen, den Weg, dessen Länge, Startzeiten und Einkehrziel bestimmen ohne Rücksprache zu halten. Es braucht keine Zustimmung von Irgendjemandem - und Hunde, Hunde werden nicht gefragt. Alleine Wandern hat ein weiteres Gutes. Man kann "hirnen". Dieses schwäbische Wort steht für nachdenken - nachdenken über sich, den Planeten, das Universum. Ohne ein einziges Wort können neue Vorsätze bestärkt und Probleme gelöst werden. Alleine wandern macht die Seele frei. Es hilft die Natur bewusst wahrzunehmen. Man trifft gravierende Entscheidungen - und es bleibt nur noch, sie auch umzusetzen.

Auch heute ist wieder so ein Tag, an welchem sich kein Wanderkamarad findet. Helmut wird also "alloi ganga" und man wird sich am Abend im Wirtshaus zum Vesper treffen.

Das heutige Wetter lässt den Verdacht aufkommen, dass ein Freund aus der sonstigen Wandergruppe schon lange kein Tänzchen mehr aufgeführt hat. Jener Freund behauptet nämlich, dass er in der Lage sei, durch rythmische Bewegungsrituale das Wetter beeinflussen zu können. Angeblich führt er jeden Mittwoch - also dem Tag vor dem wöchentlichen Wandertag - einen Sonnentanz auf. Gerne wäre ich hierbei einmal "Mäuschen".

Nun, das heutige Wetter lässt vermuten, dass jener Freund nicht, oder wenn, dann nur schlampig getanzt hat. Folge dem ist die Wetterlage, meteorologischen gesehen, als Tief zu bezeichnen. Der Schwabe würde es schlicht als "granada Sauwetter" bezeichnen. Bei einer solchen Wetterlage ist das Alleinewandern wieder von großem Vorteil. Man kann ohne jede Absprache entscheiden, ob oder ob man nicht wandert. Man ist nur für sich selbst verantwortlich und man braucht sich vor niemandem rechtfertigen, dass man evtl. eine Fehlentscheidung getroffen hätte. Helmut entscheidet also: "I gang - egal wias kommt".

 

...und es kommt schlimmer als gedacht. Hätten die Wanderkameraden entschieden, an einem Tag wie heute zu wandern, so hätte Helmut den Entscheider verflucht. Schon bei der Anfahrt zur Wiesensteiger Papierfabrik fängt es an zu schneien. Die Temperatur beträgt +2° - es ist nasskalt. Die ersten Kilometer auf dem HW 7 in Richtung Wiesensteig sind noch gut zu gehen. Dann der steile Aufstieg zur Kreuzkapelle und ein strammer Nordwestwind mit nassem Schnee auf der Hochfläche. Schnell sind die Klamotten aufgeweicht - alles Andere als spaßig. Mit gesenktem Haupt gegen das Schneetreiben erreicht Hund und Herr die Bläsi- und Eckhöfe. Schnell wird klar, dass die geplante Tour gekürzt werden muss. Der Plan, über Reusensteinhof und Hasental den Filsursprung zu erwandern, wird geändert und ab Ziegelhof über das Autal abgestiegen. Zwei  Stunden und knapp 8 Kilometer sind als Tagesleistung zu verbuchen. "Grad gnuag!"

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