Der Premium-Wanderweg

Der "Neue Wanderweg", der "Löwenpfad"

Nun, eigentlich ist dieser Wanderweg so neu nun auch wieder nicht - vielmehr gibt es diesen Weg sicherlich schon seit geschätzten 100 Jahren. Damals, im August 1888, wurde der Schwäbische Albverein gegründet, in den Folgejahren dann die Wege festgelegt und entsprechend ausgewiesen. Damals, um die Jahrhunderwende, musste man Wanderwege auch noch nicht klassifizieren. Alle vorhandenen Wege waren naturnah, es gab keine Asphaltstrecken, keine lautstarken 8-Zylinder und schon gar keine heulenden Motorräder. Alle Wege waren "Premium" - ganz ohne leuchtenden Hinweistafeln und Richtungsschildchen. Anscheinend fanden die Menschen ihren Weg auch ohne die Hilfsmittel GPS, IPhone, Garmin... .  

Was nun viele Jahrzehnte eine Verknüpfung von Verbindungswegen des Schwäbischen Albvereins war, wurde später zur "Felsenrunde". Man startete im Überkinger Kurgarten, stieg über die Eichhalde hinauf zum Fels der Amazonen und wanderte über den Schottenfels hinüber zum Hausener Fels. Heute ist der erste Wegabschnitt - im wahrsten Sinne des Wortes - angeschnitten und zum "Zuweg" geworden. Er ist nicht "Premium", nicht naturnah, zu laut, asphaltiert. Was hilft's ?

Wir müssen ihn gehen - den "Nichtpremiumweg" -, denn die Zufahrt zu Start und Ziel des Löwenpfades ist verwehrt, und fliegen kann der Wanderer nun mal nicht.

Wir steigen also hinauf. Der schmale Pfad führt über einige Serpentinen zum Hochplateau des Michelsberg. Auf unserem Weg werden wir von vielen Täfelchen begleitet: 10 sind es an der Zahl. Rote Raute und abstraktes Löwenköpfchen, gleich doppelt an die Buchen genagelt, sollen dafür sorgen, dass sich kein Wanderer verläuft. Würde, am eindeutig geführten Pfad, dann doch ein Wanderer vom Weg abkommen, so fände er vielleicht noch den Jungfraufels; jener Fels, der immer viel weiter östlich lag, in einer Höhe von ca. 650 Meter in den Wanderkarten eingezeichnet ist und heute auf die 720 Meter hohe Felsgruppe der Amazonen verschoben wurde.

Wir wandern also weiter am Trauf in Richtung Hausener Fels. Mit großer Sorgfalt wurden  Hinweistäfelchen vernagelt. Keine Chance falsch zu laufen. An einer Stelle wurden gar 6 Schildchen auf eine Passage von 20 Metern gesetzt. Jetzt hat der "Überkinger Schilderhasser" reichlich zu tun - oder steht er nur auf Messing und andere Edelmetalle?

Weiter geht's in Richtung Sandgrube. Die Wegführung zum höchsten Punkt des Michelberg wurde abgeändert. Die alte Wegführung war nicht "Premium". Sie wurde auf Asphalt geführt und konnte den Qualitätsstandards eines "besonderen Wanderweges" nicht gerecht werden. Durch Oberböhringen wandern wir auf Asphalt. Da gibt es keine Alternativen. Da muss der "Prädikatswanderer durch - sorry - wärst du halt im Jahr 1910 unterwegs - dann hättest du das Asphaltproblem nicht.

Über die Michael-Knoll-Straße und weiter über die Von-Krafft-Straße geht es kerzengerade durch den Ort. Damit sich keiner verläuft, wurde nicht ein Lichtmasten ausgelassen, der nicht mit dem Löwenköpfchen und der Roten Raute beklebt wurde. Selbst jene Lichtmasten, die noch ein altes Klebesymbol trugen, wurden zusätzlich markiert. 

Im großen Bogen führt der Weg um das Clubhaus der Golfer. Wollen, können, dürfen wir nicht? Oder wollen die Golfer nicht, dass geschätzte 5 Wanderer am Tag den Weg am putting Green vorbei nehmen. Ich habe den Weg genommen. Hatte den Vorteil, dass ich die Gastronomie des Clubhauses nutzen konnte, saß herrlich in der Sonne und genoss den tollen Ausblick über die Hochebene. 

Weiter auf altbekannten Wegen zum Ramsfels. Tolle Aussicht auf die Kaiserberge. Hinunter zum Dreimännersitz - ja was ist das denn????? Tatsächlich ist auf diesem Abstieg ein kleines Wunder geschehen. Was der Wegwart des Albvereins in Jahren nicht leisten konnte; es ist geschehen! Der miserable, total versumpfte, ca. 15 Meter lange Wegabschnitt wurde saniert. Ein dreifaches Hoch an die Planer und Installateure des Premiumwanderweges. Weiter und bestens ausgeschildert gelangen wir auf unverändertem Wegverlauf zum Schillertempel. Ab hier führt der neue Wegverlauf durchs idyllische Tiefental zurück zum Ausgangspunkt. Wanderer, welche  ab Schillertempel auf "Premium" verzichten können, dürfen gerne den Weg zur B466 nehmen und über die Nuberstraße zum Überkinger Kurpark gelangen.

Ein toller Weg welcher wiederholt neu entdeckt wurde. Hoffen wir auf den Werbeeffekt und die vielen Touristen, welche dem Premiumangebot folgen.

Euer Mittwochswanderführer

Helmut

 

Nach oben