Zeit der Veränderung

 

Oder - Wenn aus einer Wandergruppe ein Stammtisch wird.

 

Wandern - wird uns durch die Sportartikelindustrie gesagt, Wandern ist "in". Outdooraktiv, nennt man es auch neudeutsch. Draußensein, sich bewegen, die Natur erleben. Wandern soll denselben Stellenwert haben wie Radfahren, Klettern, Joggen. Schaue ich jedoch in die Gesichter der Wanderer, welche mir auf den Trails und Wegen begegnen, so stelle ich fest, dass diese Gesichter meinem eigenen ähneln. Es sich Gesichter, ja es sind Menschen, welche meist die 50er-Grenze überschritten haben. Und die , um die 50, die zählen da noch zu den Jüngeren. Intensives und regelmäßiges Wandern ist überwiegend jener Zielgruppe zuzuordnen, welche sich gerne auch als Rentner, also Ruheständler bezeichnen. Ich möchte jetzt auf keinen Fall den Verdacht aufkommen lassen, dass ich diese Menschen abwerten möchte. Ich selbst gehöre zu dieser Gruppe und stelle immer wieder fest, dass diejenigen, welche sich als die Jüngeren bezeichnen, oft nicht ansatzweise in der Lage sind, beim Wandertempo und der Steckenlänge der "Alten" mitzuhalten. Alt sein ist also nicht zwingend mit unbeweglich sein gleichzusetzten.

Trotz aller Lorbeeren für Senioren stelle ich fest - und das auch in einer meiner Wandergruppen, dass Gesprächsthemen immer wieder im medizinischen Bereich abgehandelt werden. da wird von den verschiedenen Knie-OPs berichtet. Kritisch werden Chirugen und Rehaverläufe bewertet. Die Wirksamkeit verschiedener Gelenk- und Muskelcremes wird ebenso diskutiert, wie auch die Wirksamkeit einiger orthopätischen Hilfsmittel. Ich erinnere mich da an ein altes Gedicht aus Oberbayern, welches da sagt: "Es zwickt und zwackt uns fast alltäglich, man wird ein bisserl unbeweglich, man braucht a Pill´n und a Tablett´n, für den Kreislauf und gegen die Fett´n.......".

Da nun der, oder die Wanderer/in nicht immer in der Lage sind, die vorbereitete Tour zu bewältigen, kommt es immer wieder zum Vorschlag, Fahrdienste zu übernehmen oder zumindest an der Einkehr bzw. am abschließenden Wanderstammtisch teilzunehmen. So habe ich es erst kürzlich erlebt, dass 4 Wanderfreunde mit auf der Tour waren - 9 Personen dann im Wirtshaus um den Stammtisch saßen.

Wird es dazu kommen, dass ich irgendwann - nach 5 Stunden Gehzeit - von wartenden Stammtischlern begrüßt werde? Ich denke mal, dann werde ich mich lieber gleich zu Beginn dazusetzten und auf meine Fox´lhündin "Ronja" warten. Fahnenschwingend werden wir dem Terrier zujubeln und anschließend, in gemütlicher Runde, über die "Alten Zeiten" reden. Jene Zeiten, als 30 km und 1200 Höhenmeter geradezu lächerlich waren.

Nach oben