(Mit der App) Unterwegs im Naturschutzgebiet


Wasserberg, Haarberg, Kreuzberg und Dalisberg - wer kennt es nicht, das Naturschutzgebiet im Dreieck zwischen Schlat, Reichenbach und Unterböhringen?! Gerade berühmt ist diese Gegend für ihre Vielzahl an Orchideen, welche dort im Frühsommer blühen. So sind jedes Jahr viele Naturliebhaber unterwegs, um diese Orchideenpracht erleben zu können. Jeder, der der Natur verbunden ist, war schon einmal dort. Egal, von welchem der umliegenden Parkplätze aus man seine Wanderung beginnt und auf den Wasserberg hinaufsteigt, immer landet man im gastlichen Wanderheim des schwäbischen Albvereins, der die Wanderwege übersichtlich ausschildert, dem Wasserberghaus. Durch den Schwäbischen Albvereins sind die Wanderwege gut ausgeschildert. Somit gibt es eine Vielzahl an Tourvarianten, dieses besondere Naturschutzgebiet zu erkunden. Die neuen Löwenpfade, als wie auch der Hauptwanderweg 1 (Schwäbische-Alb-Nordrand-Weg), welcher von Donauwörth nach Tuttlingen führt, streifen oder queren das Naturschutzgebiet um den Wasserberg.
Die neueste Variante, Tier- und Pflanzenwelt auf dem Wasserberg zu erleben, ist eine App der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg. Zusammen mit der Internetplattform „Outdooractive“ kann sich jeder Besitzer eines Smartphones die App „Unterwegs im Naturschutzgebiet“ herunterladen. Diese App bietet verschiedene Funktionen. Unter 3 interaktiven Tourvarianten können auch 2 Audiotouren gewählt werden.

Wir haben den Audioguide gewählt, welcher uns ca. 3 km durchs Naturschutzgebiet führt und mit allerhand Informationen versorgt. Mit dem entsprechenden Rückweg zum Hexensattel wird die Wanderung 6 km lang und ist mit 116 Höhenmetern als „leicht“ zu bezeichnen.
Wir starten also am Hexensattel, dem Parkplatz zwischen Reichenbach und Unterböhringen. Die App befindet sich auf unserem Handy. Die Audiotour wurde offline geladen und das Akku ist zu 100% präsent. An 16 Stationen soll sich unser Smartphone nun selbstständig melden. Kaum wandern wir für einige Meter den Schotterweg bergan, summt und klingelt es auch schon in der Hosentasche. Wir aktivieren die Sprachausgabe und werden vom Audioguide mit mystischer Stimme begrüßt. Mit der Begrüßung werden wir darüber informiert, dass das Gebiet schon seit 1990 vom Regierungsbezirk Stuttgart unter Schutz gestellt wurde. Schon nach wenigen weiteren Schritten meldet sich das Handy erneut. Schnell verstehen wir, dass es sinnvoll ist, stehen zu bleiben und dem elektronischen Erzähler zuzuhören. Ist man zu schnell unterwegs, überschneiden sich die einzelnen Informationen und passen dann nicht zu dem, was vorort zu sehen und zu erleben ist. Die App zeigt uns den Weg, die einzelnen Stationen auf der Route und bietet zudem auch einige Bildchen zum Text. Nicht immer ist die Natur mit dem Audioguide kompatibel. Letztlich kommt es auch auf die Jahreszeit an, zu welcher man unterwegs ist. Natürlich sind an Spätsommertagen keine Orchideen zu sehen. Auch die Blumenwiesen haben ihre Zeit schon hinter sich, und der Schäfer ist auch nicht alle Tage unterwegs. Die Bilder sind daher gut und dienlich, eine Assoziation zum Erzählten herzustellen. Unterstützung zu allem ist durch Infotafeln gegeben, welche schon seit Jahren an diesem Weg montiert sind. Wer also aufmerksam unterwegs ist, kann einiges dazulernen. Über 20 Schneckenarten gibt es in der Region. Wir lernen zu unterscheiden, dass Weiß- und Schwarzdorn zu unterschiedlichen Zeiten blühen, und bekommen den Grund dafür erklärt, warum es hier so viele Bäume mit mehreren Hauptstämmen gibt. Über den Audioguide lernen wir den Schäfer Hertler kennen, welcher uns von seiner Arbeit und der Landschaftspflege mit den Schafen erzählt.
Irgendwie stellen wir jedoch auch in Frage, ob es wirklich sein muss, eine Landschaft mit dem Handy zu begehen? Vielleicht ist das ja die Zukunft - mit dem Audioguide durch die Natur? Mit dem elektrischen Fahrrad hinauf zum Kreuzberg, begleitet von der ferngesteuerten Drohne? Vielleicht setzten wir aber auch einfach nur unsere Sinne ein, lassen uns nicht ablenken von zusätzlichen Informationen. Werden wir nicht schon im Arbeitsalltag damit überschüttet? Ist es wichtig, jeden Vogel und jedes Kraut benennen zu können?
Entscheiden Sie selbst - wir haben entschieden und die App wieder gelöscht.
Wir haben am Ende der Audiotour zudem entschieden, noch weiter bis zum Wasserberghaus zu gehen. Eine Einkehr in diesem gastlichen Haus lohnt immer, und wer sein Smartphone dabei hat, der kann schon mal unter www.wasserberghaus.de die Speisenkarte einsehen. Ja, so ist das halt mit der elektronischen Zukunft 😉


Nach oben